Gesamtkosten und interne Aufwände zeigen

Gute Preisinformationen zeigen nicht nur das Honorar des Anbieters, sondern auch Nebenkosten, interne Mitarbeit und mögliche Folgekosten auf Kundenseite.

Die kurze Antwort

Bei komplexen B2B-Dienstleistungen reicht es selten, nur das eigene Honorar zu nennen. Kunden müssen abschätzen können, welche Gesamtkosten entstehen und welche internen Ressourcen sie bereitstellen müssen. Zeigen Sie deshalb, welche Leistungen im Preis enthalten sind, welche zusätzlichen Kosten typischerweise anfallen können und welche Mitarbeit Sie vom Kunden erwarten.

Interne Aufwände müssen nicht auf die Stunde genau berechnet werden. Hilfreicher sind verständliche Grössenordnungen: beteiligte Rollen, Anzahl Workshops, benötigte Vorbereitungen, Freigaben, Datenlieferungen und ungefähre Zeitfenster. Ergänzen Sie, welche Faktoren diese Aufwände erhöhen oder reduzieren.

Trennen Sie klar zwischen Ihrem Honorar, externen Kosten und internen Aufwänden des Kunden. Kennzeichnen Sie ausserdem einmalige und wiederkehrende Kosten sowie obligatorische und optionale Bestandteile. So entsteht kein scheinbar exakter Gesamtpreis, sondern ein belastbarer Kostenrahmen. Der Kunde kann früh beurteilen, ob Budget, Kapazitäten und zeitliche Erwartungen grundsätzlich zusammenpassen.

Ein Projekt kann auf dem Papier bezahlbar wirken und trotzdem intern zu teuer werden. Das geschieht häufig dann, wenn nur das externe Honorar betrachtet wird. Workshops müssen vorbereitet, Informationen zusammengetragen, Systeme angepasst, Entscheidungen gefällt und Ergebnisse intern eingeführt werden. Diese Arbeiten beanspruchen Zeit von Fachpersonen, Führungskräften oder internen Projektverantwortlichen.

Für Anbieter ist es verlockend, solche Aufwände nicht zu erwähnen. Die Preisangabe bleibt dadurch einfacher und wirkt möglicherweise attraktiver. Für den Kunden verschiebt sich die Unsicherheit jedoch lediglich nach hinten. Spätestens in der Offertphase oder nach Projektbeginn wird sichtbar, welche Mitarbeit tatsächlich erforderlich ist. Das führt nicht automatisch zu einem schlechten Projekt, kann aber Budgetierung, Terminplanung und interne Zustimmung erschweren.

Eine gute Preisorientierung macht deshalb mehr sichtbar als die eigene Rechnung. Sie zeigt, aus welchen Kostenblöcken ein Vorhaben besteht, welche Beiträge auf Kundenseite notwendig sind und wo echte Unbekannte verbleiben. Das Ziel ist keine vollständige Vollkostenrechnung. Es geht darum, die wichtigsten Belastungen so früh zu benennen, dass ein Unternehmen eine realistische Vorentscheidung treffen kann.

Honorar, Nebenkosten und interne Aufwände trennen

Beginnen Sie mit drei klar getrennten Kategorien. Die erste Kategorie ist Ihr eigenes Honorar. Dazu gehören alle Leistungen, die Sie selbst erbringen und verrechnen: Analyse, Beratung, Konzeption, Umsetzung, Projektleitung, Dokumentation oder Schulung. Nennen Sie, welche dieser Leistungen im ausgewiesenen Preis oder Preisrahmen enthalten sind.

Die zweite Kategorie umfasst zusätzliche externe Kosten. Das können Lizenzen, Reisekosten, Übersetzungen, Druck, Produktion, externe Spezialisten oder Gebühren von Drittanbietern sein. Entscheidend ist nicht, jede mögliche Position aufzulisten. Zeigen Sie jene Kosten, die bei einem typischen Auftrag tatsächlich relevant werden können. Geben Sie an, ob sie bereits eingerechnet, separat verrechnet oder direkt durch den Kunden beschafft werden.

Die dritte Kategorie sind interne Aufwände des Kunden. Sie erscheinen nicht auf Ihrer Rechnung, beeinflussen aber die Wirtschaftlichkeit und Durchführbarkeit des Projekts. Dazu zählen beispielsweise die Zeit der Projektleitung, die Mitarbeit von Fachpersonen, interne Abstimmungen oder technische Vorarbeiten.

Vermeiden Sie es, alle drei Kategorien zu einer einzigen Zahl zu vermischen. Eine solche Summe wirkt genauer, als sie in einer frühen Phase sein kann. Ein strukturierter Überblick ist meist hilfreicher:

  • Unser Honorar: CHF 25'000 bis 35'000, exkl. MWST
  • Mögliche Drittkosten: je nach gewählten Werkzeugen und Produktionsumfang
  • Interne Mitarbeit: Projektleitung, Fachinputs, Freigaben und Einführung

Diese Trennung erlaubt dem Kunden, jede Kostenart mit den richtigen internen Stellen zu prüfen.

Interne Mitarbeit konkret beschreiben

Die Formulierung «Mitarbeit des Kunden erforderlich» ist zu unbestimmt. Sie sagt weder, wer mitarbeiten muss, noch wie intensiv oder zu welchem Zeitpunkt. Beschreiben Sie die erwartete Mitarbeit deshalb entlang konkreter Aufgaben und Rollen.

Nennen Sie zuerst die typischen Beteiligten. Bei einem Strategieprojekt können dies die Geschäftsleitung, eine interne Projektleitung und ausgewählte Fachverantwortliche sein. Bei einer technischen Einführung kommen möglicherweise IT, Datenschutz, Einkauf oder externe Systempartner hinzu. Es ist nicht nötig, die Organisationsstruktur des Kunden im Voraus zu kennen. Beschreiben Sie die Funktionen, die voraussichtlich benötigt werden.

Ordnen Sie diesen Rollen anschliessend konkrete Beiträge zu:

  • Die interne Projektleitung koordiniert Termine und konsolidiert Rückmeldungen.
  • Fachverantwortliche liefern Grundlagen und prüfen Zwischenergebnisse.
  • Die Geschäftsleitung nimmt an zwei Entscheidungsworkshops teil.
  • Die IT klärt Schnittstellen, Zugänge und Sicherheitsanforderungen.
  • Der Einkauf bearbeitet Vertrag und Lieferantenfreigabe.

Ergänzen Sie eine Grössenordnung, ohne Scheingenauigkeit zu erzeugen. Statt «27 interne Stunden» ist eine Angabe wie «rund zwei bis vier Arbeitstage über acht Wochen verteilt» oft belastbarer. Bei mehreren Rollen können Sie die Belastung separat ausweisen.

Zeigen Sie auch, wann die Mitarbeit besonders intensiv ist. Ein geringer Gesamtaufwand kann problematisch sein, wenn er innerhalb weniger Tage anfällt. Hinweise auf Spitzen, Freigabefristen und Abhängigkeiten helfen dem Kunden, die erforderlichen Kapazitäten realistisch einzuplanen.

Einmalige und wiederkehrende Kosten sichtbar machen

Viele Dienstleistungen enden finanziell nicht mit der Einführung. Nach dem Projekt können Wartung, Betreuung, Lizenzen, Aktualisierungen, Schulungen oder wiederkehrende Produktionsarbeiten anfallen. Diese Positionen gehören zur Preisorientierung, wenn sie eine absehbare Folge der empfohlenen Lösung sind.

Trennen Sie zunächst einmalige Kosten von wiederkehrenden Kosten. Einmalige Kosten entstehen beispielsweise für Analyse, Konzeption, Einrichtung, Migration oder Einführung. Wiederkehrende Kosten können monatlich, jährlich oder nach Nutzung verrechnet werden. Nennen Sie jeweils die Abrechnungslogik und, soweit möglich, eine Grössenordnung.

Unterscheiden Sie ausserdem zwischen obligatorischen und optionalen Folgekosten. Eine Lizenz, ohne die die Lösung nicht betrieben werden kann, ist anders zu behandeln als ein freiwilliges Betreuungspaket. Schreiben Sie nicht nur «Support optional», sondern erklären Sie kurz, was ohne diesen Support intern übernommen werden muss.

Bei variablen Kosten sollte der relevante Treiber sichtbar sein. Das kann die Anzahl Benutzer, Standorte, Transaktionen, Sprachen oder Supportfälle sein. Ein Beispiel schafft Orientierung: «Die jährlichen Lizenzkosten hängen von der Anzahl aktiver Benutzer ab. Bei 20 bis 40 Benutzern ist mit CHF X bis Y pro Jahr zu rechnen.»

Vermeiden Sie es, niedrige Einstiegskosten hervorzuheben und notwendige Folgekosten in Fussnoten zu verstecken. Für eine belastbare Entscheidung muss erkennbar sein, welche Kosten zur Einführung gehören, welche den laufenden Betrieb betreffen und unter welchen Bedingungen sie sich verändern.

Annahmen, Kostentreiber und Grenzen offenlegen

Ein Gesamtkostenrahmen ist nur so nützlich wie die Annahmen, auf denen er beruht. Nennen Sie deshalb die wichtigsten Bedingungen direkt neben der Preisangabe. Dazu gehören Projektumfang, Anzahl Beteiligte, vorhandene Grundlagen, gewünschte Varianten, technische Ausgangslage und Geschwindigkeit der Entscheidungen.

Konzentrieren Sie sich auf Faktoren, die den Aufwand tatsächlich verändern. Allgemeine Vorbehalte wie «Preis kann je nach Projekt variieren» helfen kaum. Präziser sind Aussagen wie: «Der Rahmen gilt für einen Standort, eine Sprache und bis zu vier Workshops» oder «Nicht enthalten sind die Bereinigung bestehender Daten und individuelle Schnittstellen.»

Zeigen Sie auch, was Kunden selbst beeinflussen können. Gut vorbereitete Unterlagen, gebündelte Rückmeldungen und klare Entscheidungswege können den Ablauf vereinfachen. Zusätzliche Varianten, wechselnde Ansprechpartner oder verspätete Freigaben können dagegen mehr Aufwand verursachen. Formulieren Sie dies sachlich und nicht als Drohung.

Unbekannte Punkte dürfen als solche stehen bleiben. Wenn beispielsweise der Zustand bestehender Daten erst geprüft werden muss, nennen Sie eine vorgelagerte Analyse oder einen Entscheidungspunkt. Sie können angeben, welcher Teil bereits kalkulierbar ist und welcher nach der Prüfung separat festgelegt wird.

Damit vermeiden Sie zwei Extreme: einen scheinbar verbindlichen Gesamtpreis trotz offener Fragen und eine völlig unverbindliche Aussage ohne Nutzen. Der Kunde erhält einen nachvollziehbaren Rahmen und weiss, welche Informationen für eine genauere Einschätzung noch fehlen.

In die Praxis

Dein nächster Arbeitsschritt

Nehmen Sie eine typische Leistung und erstellen Sie dafür eine einfache Gesamtkostenübersicht. Verwenden Sie vier Zeilen: eigenes Honorar, mögliche Drittkosten, interne Mitarbeit und wiederkehrende Kosten. Ergänzen Sie pro Zeile, was enthalten ist, welcher Kostentreiber relevant ist und welche Annahme gilt.

Prüfen Sie den Entwurf anschliessend mit einer Person, die nicht am Angebot mitgearbeitet hat. Kann sie erkennen, welche internen Rollen benötigt werden? Versteht sie, welche Kosten einmalig und welche wiederkehrend sind? Ist sichtbar, welche Positionen obligatorisch oder optional sind?

Veröffentlichen Sie nicht sofort eine umfassende Vollkostenrechnung für jedes Angebot. Beginnen Sie mit der Leistung, bei der Kunden am häufigsten vom tatsächlichen Gesamtaufwand überrascht werden. Die gewonnenen Rückfragen zeigen, welche Angaben nützlich sind und wo weitere Präzisierungen nötig werden.

Quellen und Vertiefung
  1. Faktenblatt Lebenszykluskosten, Beschaffungskonferenz des Bundes BKBEinordnung von Lebenszykluskosten und Kostenarten über Beschaffung, Nutzung und Ende des Lebenszyklus.
  2. Lebenszykluskosten / Total Cost of Ownership (TCO), Wissensplattform nachhaltige öffentliche Beschaffung WöBVertiefung zur Betrachtung von Anschaffungs-, Nutzungs- und Folgekosten über den Lebenszyklus.
  3. Life Cycle Costing, ICLEI EuropeOptionales Einführungsvideo zur Einordnung von Lebenszykluskosten; nicht erforderlich, um das Kapitel zu verstehen.
  4. Life Cycle Costing - Concepts, University of QueenslandOptionales Einführungsvideo zu Grundbegriffen der Lebenszykluskosten; nicht erforderlich, um das Kapitel zu verstehen.